Ich war mal XXL ... die Liebe dazu bleibt
- Mobil-Dick

- 20. Mai
- 4 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 22. Mai
Wie aus einem Mietfahrzeug in XXL-Traum wurde
Schon mal etwas von XXL-Wohnmobilen gehört?
So werden große Wohnmobile ab ungefähr zehn Metern Länge genannt. Fahrzeuge, bei denen keine Wünsche offen bleiben, und ja: es sind Apartments auf Rädern. Mancheiner meint, dass diese Fahrzeuge nun so gar nicht zu tun haben, aber ... dazu komme ich gerne in einem anderen Beitrag. Jetzt schreibe ich erst mal, wie ich überhaupt dazu kam.
Ich will nur mal schauen :-)
Wie bei vielen grossen Geschichten, fing auch bei uns alles ganz harmlos an, Nur mal kurz über die eine oder andere Messe schlendern. Nur mal schnell durch einen Showroom laufen. Nur mal ganz spontan auf dem Fahrersitz Platz nehmen - völlig unverbindlich, versteht sich. Wir schauten ja nur.
Aber dieses "Ich schau nur mal" hat so seine Tücken. Es muss nur genügend Zeit vergehen, des Schauens und Kalkulierens und dann ist dieser Moment da, an dem alles passt. So stand auch ich einst mit großen Augen bei einem Campinghändler in München vor ihm - einem rollenden Wohnzimmer.
Mit bequemer Sitzecke, großer Frontscheibe und mehr Platz, als wir uns das je vorstellen konnten.
Je öfter wir auf Ausstellungen und Messen unterwegs waren, desto mehr wuchs diese Begeisterung. Dieses Gefuehl: Wow ... so könnte Reisen auch aussehen.
Dabei waren wir alles andere als Neulinge. Jahrelang hatten wir gemietete Wohnmobile ausprobiert, getestet und Erfahrungen gesammelt.
Diese Jahre des Mietens waren unglaublich lehrreich und sie haben uns eines sehr deutlich gezeigt: Dieses Leben unterwegs gefällt uns. Sehr sogar. Dass wir schon als Kinder mit den Eltern gecampt haben, hat dabei sicher geholfen.
Es kam dann - wie ich heute gerne sage - eine göttliche Fügung: unsere erste Reise mit dem eigenen XXL-Mobil. Plötzlich saß man bei Regen gemütlich drinnen, statt sich zwischen Taschen, Jacken und Frühstuecksbrettchen irgendwie zu organisieren. Platz zum Leben, Platz zum Atmen. Und damit öffnete sich tatsächlich noch einmal eine ganz neue Camping-Welt für mich.
Ja, wo sind denn alle anderen XXL-Fahrer?
Keiner der Hersteller konnte mir damals so richtig sagen, wo die Großen so hinfahren können, welche Plätze man anfahren konnte. Die Auswahl an passenden Campingplätzen war noch rar gesät und so ballten sich die Fahrzeuge an wenigen Orten. Das konnte ich so nicht stehen lassen. Die Motivation danach, andere Linerfahrer kennenzulernen, wurde immer größer.
Ich wollte mich austauschen, über passende Stell- und Campingplätze sprechen, vielleicht über die eine oder andere technische Herausforderung fachsimpeln. Darüber gemeinsam lachen, wie man mit zehn Metern Fahrzeug plötzlich vor einer viel zu engen Altstadtgasse steht und rückwärts wieder heraus muss. Italienische Kirchen in Nahaufnahme sind mir seitdem eine bleibende, stressbehaftete Erinnerung :-)
So begab mich auf meine eigene Recherche-Reise und es entstand 2012 Mobil-Dick, meine Website und Blog.
Doch ein Blog ist eben ein Blog. Das eigentliche Leben entsteht durch den Austausch mit Menschen. Also gründete ich kurzerhand die Facebook-Gruppe, "XXL-Wohnmobile on Tour." Und plötzlich waren da nicht mehr nur Fahrzeuge, sondern Geschichten und Begegnungen. Erfahrungen und Hilfestellungen. Das Netzwerk begann zu blühen mit dem ersten Treff der Dickschiffe. Welch ein Anblick, alle auf einem Stellplatz zu treffen.
Menschen, die sich vorher nur online ausgetauscht hatten, standen plötzlich gemeinsam auf dem Stellplatz, saßen zusammen vor ihren Fahrzeugen und redeten bis spät am Abend über diese besondere Art des Unterwegsseins.
Da über unser Traumziel England mit dem XXL noch keinerlei Erfahrungen oder Berichte existierten, planten wir kurzerhand einen Trip von 14 Tagen mit 2 Anreisetagen auf die Insel. Unsere Erfahrungen habe ich für eine Reisereportage beim Landyachting-Magazin veröffentlicht.
ich schrieb über enge Straßen, Linksverkehr, ein riesiges Fahrzeug und wir mittendrin. Was uns dort auffiel: Wir waren in bester Gesellschaft. Auf den Campingplätzen reihten sich große Anhänger, Liner und RVs aneinander, recreational vehicles, wie die Engländer sie nennen. Erholungsfahrzeuge. Treffender kann man es kaum formulieren. Und unter Gleichgesinnten entstehen bekanntlich die besten Gespräche.

Frau am Steuer
Dann geschah noch etwas anderes. Ich begann den Frauen zuzusehen. Den Frauen, die diese großen Liner ganz selbstverständlich bewegten. Die mit einer Ruhe und Sicherheit rückwärts aus ihrer Parzelle fuhren und ich staunend zusah.
Wie um alles in der Welt bekommt man so ein riesiges Fahrzeug dort wieder heraus? Sie machten es einfach. Souverän und ohne grosses Aufheben.
Das wollte ich auch können. Mein innerer Ruf war laut und deutlich. Aus Begeisterung wurde Mut und bei einem der folgenden Messebesuche meldete ich mich kurzerhand bei einer fränkischen Fahrschule an. Das Versprechen: den C-Schein in 1,5 Wochen. Gesagt, getan und tatsächlich hatte ich ihn nach der versprochenen Zeit in der Tasche.
Ob ich nervös war? Oh ja, sehr sogar. Ich schwor mir damals, nie, wirklich nie wieder eine Prüfung zu machen.
Die fränkische Landschaft mit ihren sanften Hügeln, kleinen Dörfern, engen Strassen. Sie erinnerten mich an Italien. Schön anzusehen, aber fahrtechnisch durchaus fordernd. Dazu eine Jahreszeit, in der große Landmaschinen einem den ohnehin knappen Platz streitig machten. Auf Straßen, die eher Einbahnstraßen ähnelten, lernte ich, mir meinen Platz nehmen zu dürfen. Buchstäblich.
Am Tag der Prüfung war ich voll fokussiert, obwohl meine Nacht relativ schlaflos war. Das Rückwärtsfahren einfahren in eine Straße klappte so gut wie nie. Ein Daumen hoch vom Fahrlehrer, ein zufriedener Blick vom Prüfer - und ich hatte den C-Schein!!

Die Campingliebe bleibt - klein, fein, VW-Bus :-)
Heute fahre ich kleiner und flexibler. Mein VW-Bus passt viel besser zu meinem jetzigen Leben. Und trotzdem ist da dieser Hang zu den großen Fahrzeugen geblieben. Das Herzklopfen kommt sofort zurück, sobald ich ein großes Wohnmobil sehe, manchmal unterwegs auf der Autobahn oder auf Stellplätzen.
Und dann wird etwas in mir wach: die Erinnerung daran, wie es sich angefühlt hat, selbst dort oben zu sitzen. Als Truckerlady das Steuer in der Hand zu halten. Groß zu denken und weit zu fahren. Sich langsam, konzentriert und mit einem gewissen Stolz durch enge Straßen zu bewegen.
Wer weiß … vielleicht zieht irgendwann doch wieder ein bisschen mehr XXL in mein Leben ein. In meinem Herzen ist es auf jeden Fall.
Bis dahin bleibt die Liebe zu diesen rollenden Dickschiffen, großen Reifen und schweren Motoren.

"Dicke Grüße"
von Trixi
und alle Zeit beste Fahrt :-)
Mehr über mich und den VW-Bus auf www.bulli-proof.com
Mehr zum C-Schein hier im Blog


















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