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Ich war mal XXL ... die Liebe dazu bleibt

  • vor 13 Stunden
  • 4 Min. Lesezeit
Wie aus einem Mietfahrzeug in XXL-Traum wurde

Schon mal etwas von XXL-Wohnmobilen gehört?


Das sind diese großen Wohnmobile ab ungefähr zehn Metern Länge. Fahrzeuge, bei denen man sich zuerst fragt, ob das noch Camping ist oder eher ein kleines Apartment auf Rädern.

Ich will nur mal schauen :-)

Wie bei vielen grossen Geschichten fing auch bei uns alles ganz harmlos an: Wir schauen nur.

Nur mal kurz ueber eine Messe schlendern. Nur mal durch einen Showroom laufen. Nur mal spontan auf dem Fahrersitz Platz nehmen - völlig unverbindlich, versteht sich. Wir schauen ja nur.


Aber dieses Ich schau nur mal hat so seine Tüken. Und dann ist plötzlich dieser Moment da, an dem alles passt. So stand auch ich einst mit grossen Augen vor ihm - dem rollenden Wohnzimmer. Mit richtiger Sitzecke, grosser Frontscheibe und mehr Platz, als man sich vorher vorstellen konnte.

Je oefter wir auf Ausstellungen und Messen unterwegs waren, desto mehr wuchs diese leise Begeisterung. Dieses Gefuehl: Wow ... so koennte Reisen auch aussehen.


Dabei waren wir alles andere als Neulinge. Jahrelang hatten wir gemietete Wohnmobile ausprobiert, getestet und Erfahrungen gesammelt. Diese Jahre des Mietens waren unglaublich lehrreich - und sie haben uns eines sehr deutlich gezeigt: Dieses Leben unterwegs gefaellt uns. Sehr sogar. Dass wir schon als Kinder mit den Eltern gecampt haben, hat dabei sicher geholfen.

Und irgendwann kam dann - wie ich heute gerne sage - eine goettliche Fuegung: unsere erste Reise mit dem eigenen XXL-Mobil. Ploetzlich sass man bei Regen gemuetlich drinnen, statt sich zwischen Taschen, Jacken und Fruehstuecksbrettchen irgendwie zu organisieren. Platz zum Leben, Platz zum Atmen. Und damit öffnete sich tatsächlich noch einmal eine ganz neue Camping-Welt für mich.


Mit dem XXL-Mobil ging es 2016 bis nach England. Enge Straßen, Linksverkehr, ein riesiges Fahrzeug - und wir mittendrin. Was uns dort auffiel: Wir waren in guter Gesellschaft. Auf den Campingplaetzen reihten sich grosse Anhaenger, Liner und RVs aneinander - recreational vehicles, wie die Englaender sagen. Erholungsfahrzeuge. Treffender kann man es kaum formulieren. Und unter Gleichgesinnten entstehen bekanntlich die besten Gespraeche.


Trixi in England - eine XXL Reportage
Trixi in England - eine XXL Reportage
Ja, wo sind denn alle anderen XXL-Fahrer?

Keiner der Hersteller konnte mir damals sagen, wo sie sind, welche Plätze sie anfuhren. Die Auswahl an passenden Campingplätzen war noch rar gesät. Das konnte ich jedoch so nicht stehen lassen. Die Lust und der Drang danach, andere Besitzer von großen Linern kennenzulernen, wurde immer größer.


Ich wollte mich austauschen, über adäquate Stell- und Campingplätze sprechen, vielleicht über die eine oder andere technische Herausforderung fachsimpeln. Darüber gemeinsam lachen, wie man mit zehn Metern Fahrzeug plötzlich vor einer viel zu engen Altstadtgasse steht und rückwärts wieder heraus muss.


So begab mich auf meine eigene Recherche-Reise und es entstand anno 2012 Mobil-Dick, meine Website und Blog.


Doch ein Blog ist eben ein Blog. Das eigentliche Leben entsteht durch den Austausch mit Menschen. Also gründete ich kurzerhand die Facebook-Gruppe, XXL-Wohnmobile on Tour. Und plötzlich waren da nicht mehr nur Fahrzeuge, sondern Geschichten und Begegnungen. Erfahrungen und Hilfestellungen. Ein Netzwerk begann zu blühen mit einem ersten Treff der Dickschiffe. Welch ein Anblick, alle auf einem Stellplatz zu treffen. Das Treffen war ein Volltreffer und das Netzwerk vergrößerte sich.


Menschen, die sich vorher nur online über Technik, Reisen oder Stellplätze ausgetauscht hatten, standen plötzlich gemeinsam auf Campingplätzen, saßen zusammen vor ihren Fahrzeugen und redeten bis spät am Abend über das Unterwegssein.

Frau am Steuer

Und irgendwann passierte noch etwas anderes. Ich begann den Frauen zuzusehen. Den Frauen, die diese großen Liner ganz selbstverständlich bewegten. Die mit einer Ruhe und Sicherheit rückwärts aus ihrer Parzelle fuhren, bei der ich mit offenem Mund dastand.


Waehrend ich noch dachte: Wie um alles in der Welt bekommt man so ein riesiges Fahrzeug dort wieder heraus? Sie machten es einfach. Souveraen und ohne grosses Aufheben.



Das moechte ich auch koennen. Mein innerer Ruf war laut und deutlich. Aus Begeisterung wurde Mut - und bei einem der naechsten Messebesuche meldete ich mich kurzerhand bei einer fraenkischen Fahrschule an. Das Versprechen: den C-Schein in eineinhalb Wochen. Gesagt, getan - und tatsaechlich hatte ich ihn nach der versprochenen Zeit in der Tasche.


Ob ich nervoees war? Oh ja. Sehr sogar. Ich schwor mir damals, nie, wirklich nie wieder eine Pruefung zu machen.


Die fraenkische Landschaft mit ihren sanften Huegeln, kleinen Doerfern, engen Strassen. Sie erinnerten mich manchmal ein wenig an Italien. Schoen anzusehen, aber fahrtechnisch durchaus fordernd. Dazu eine Jahreszeit, in der grosse Landmaschinen einem den ohnehin knappen Platz streitig machen. Auf Strassen, die eher Einbahnstrassen aehnelten, lernte ich, mir meinen Platz zu nehmen. Buchstaeblich.


Aber in der Pruefung war ich voll fokussiert. Das Rueckwaertsfahren in eine kurvige Strasse klappte so gut wie noch nie. Ein Daumen hoch vom Fahrlehrer, ein zufriedener Blick vom Pruefer - und ich hatte den Schein!!



Frisch gebackener C-Schein
Frisch gebackener C-Schein

Die Campingliebe bleibt - klein, fein, VW-Bus :-)

Heute fahre ich kleiner und flexibler. Mein VW-Bus passt viel besser zu meinem jetzigen Leben. Und trotzdem ist da dieser Hang zu den großen Fahrzeugen geblieben. Das Herzklopfen kommt sofort zurück, sobald ich ein großes Wohnmobil sehe, manchmal unterwegs auf der Autobahn oder auf Stellplätzen.


Und dann wird etwas in mir wach: die Erinnerung daran, wie es sich angefühlt hat, selbst dort oben zu sitzen. Als Truckerlady das Steuer in der Hand zu halten. Groß zu denken. Weit zu fahren. Sich langsam, konzentriert und mit einem gewissen Stolz durch enge Straßen zu bewegen. Und dieses Gefühl verschwindet nicht.


Wer weiß … vielleicht zieht irgendwann doch wieder ein bisschen mehr XXL in mein Leben ein.


Bis dahin bleiben die Erinnerungen. Und die Liebe zu diesen rollenden Dickschiffen sowieso.



"Dicke Grüße" von Trixi und alle Zeit beste Fahrt :-)






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